Isotopenanalytik zur Messung von Klimaprozessen und Kohlenstoffkreisläufen
Im Rahmen ihrer Arbeiten zur hochpräzisen photonischen Gasanalytik adressiert die Professur für Sensorik zentrale Fragestellungen der Umwelt- und Klimaforschung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt im Projekt MUIR auf der isotopenaufgelösten Detektion von Radiokohlenstoff in Treibhausgasen, um deren biogenen oder fossilen Ursprung sowie das Alter fossiler Anteile eindeutig bestimmen zu können. Aufgrund des extrem geringen natürlichen Anteils von Radiokohlenstoff in der Atmosphäre sind hierfür Messverfahren mit außergewöhnlich hoher Empfindlichkeit und Isotopenselektivität erforderlich.

Bislang kann diese anspruchsvolle Messaufgabe im Wesentlichen nur durch Beschleuniger-Massenspektrometrie gelöst werden. Diese Technologie ist jedoch an große, spezialisierte Laborinfrastrukturen gebunden, erfordert aufwendige Probenaufbereitung und ist weder mobil noch für kontinuierliche Feldmessungen geeignet. Daraus ergibt sich ein erheblicher Bedarf an kompakten, robusten und direkt vor Ort einsetzbaren Messsystemen.
Vor diesem Hintergrund entwickelt die Professur im Projekt MUIR ein photonisches Laserspektrometer zum isotopenselektiven Nachweis von radiokohlenstoffhaltigem Methan mit bislang unerreichter Nachweisempfindlichkeit. Technologische Grundlage ist ein aktiver Laserresonator nach dem Prinzip der Intracavity-Absorptionsspektroskopie. Durch die Nutzung aktiver Resonatoren mit sehr hoher optischer Güte wird eine extrem lange effektive Wechselwirkung zwischen Licht und Gasmolekülen realisiert. Dies ermöglicht eine Empfindlichkeit, die konventionelle, passive resonatorverstärkte Verfahren deutlich übertrifft.
Der wissenschaftlich-technologische Beitrag der Professur liegt in der Weiterentwicklung photonischer Resonatorkonzepte, der hochstabilen spektralen Kontrolle der Laserquellen sowie der Integration in ein perspektivisch miniaturisierbares und feldtaugliches Messsystem. Ziel ist es, die bislang ausschließlich laborgebundene Radiokarbonanalytik in ein kompaktes Instrument zu überführen, das kontinuierliche und ortsaufgelöste Messungen im Feld erlaubt.
Mit dieser Forschung leistet die Professur einen Beitrag zur Weiterentwicklung isotopenaufgelöster Umweltanalytik. Das System eröffnet neue Möglichkeiten für die Klimaforschung, etwa zur Untersuchung von Methanemissionen aus tauendem Permafrost, zur flugzeuggestützten Quellcharakterisierung, zur Altersbestimmung arktischer Methanemissionen oder zur Analyse biologischer Kohlenstoffkreisläufe. Damit wird eine technologische Grundlage geschaffen, um Herkunft und Dynamik klimarelevanter Treibhausgase künftig deutlich präziser zu bestimmen.

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) – 505112684


