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Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik
Forschung

Analytik für eine resiliente, dezentrale Biogaserzeugung

Im Bereich nachhaltiger Energietechnologien entwickelt die Professur für Sensorik digitalisierte Biogasprozesse zur Nutzung bislang unerschlossener Potenziale von Wirtschaftsdünger. Ziel ist es, insbesondere kleinere und mittlere landwirtschaftliche Betriebe in die Lage zu versetzen, Flüssigmist und Reststoffe effizient, wirtschaftlich und emissionsarm energetisch zu verwerten. Die von der Universität Hohenheim koordinierten Forschungsprojekte KLAWIR und DEMETHA bilden dabei zwei komplementäre Sensorikforschungslinien, die gemeinsam auf eine hochstandardisierte, sensorintegrierte und automatisierte Biogasanlage im kleinen Leistungsbereich abzielen.

Das Projekt KLAWIR verfolgt den Ansatz einer einstufigen, besonders kosteneffizienten Güllevergärung mit konsequenter Digitalisierung und internetbasierter Fernüberwachung. Ein zentraler Forschungsbeitrag der Professur für Sensorik liegt dabei in der Entwicklung einer integrierten, miniaturisierten Multigassensortechnologie, die in mikrosystemtechnischer Bauweise realisiert werden kann. Durch die Nutzung von Frequenzmultiplexing in der Photoakustik können Methan, Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff simultan in einem integrierten Modul erfasst werden, so dass eine kontinuierliche und zuverlässige Erfassung der Gasqualität sowie relevanter Umweltparameter ermöglicht wird.

Dargestellt sind zwei Graphen übereinander mit gemeinsamer X-Achse. Diese ist skaliert von0 bis 8. Der obere Graph zeigt die vier Kurven "Substrate 1", "Substrate 2", "supply" und "return". Die Y-Achse ist beschriftet mit "temperature / °C" und von 20 bis 80 skaliert. Der untere Graph zeigt die Kurven "pump", "valve warmer", "valve colder". Die Y-Achse ist beschriftet mit "enabled" und skaliert von 0 bis 1. © Daniel Sieg et al.
Gezeigt sind zwei gegenüber ausgerichtete TO-Sockel. Einer links und einer rechts. Auf diesen Sockel ist jeweils ein MEMS-Chip plaziert. Der rechte Sockel ist mit einem transparenten Fenster verschlossen. Zwischen den Sockeln sind rot Wellen und schwarz-rot Moleküle dargestellt. Rechts von der Anordnung ist eine schwarze Messkurve dargestellt. Unter der Anordnung sind 6 Textfelder dargestellt, welche mit Pfeilen verbunden sind. Links ist ein Feld mit der Schrift "Low-Noise Amplification" dargestellt daneben ist ein Textfeld mit der Beschriftung "Microcontroller" dargestellt. In diesem Feld sind drei weitere, kleinere Textfelder angeordnet: "ADC", "DAC" und IO. Vom Textfeld "Low-Noise Amplification" zeigt ein Pfeil auf das Feld "ADC". Neben dem Feld "Microcontroller" sind zwei weitere Felder dargestellt. Eines ist mit einem Pfeil mit dem Feld "DAC" verbunden und mit "Voltage-Controlled Current Sourve" beschriftet. Das andere ist durch einen Pfeil mit "IO" verbunden und mit "H-Bridge Controller" beschriftet. Darunter ist ein weiteres Feld eingezeichnet: "Peltier module" dieses ist durch einen Pfeil mit "H-Bridge Controller" verbunden. Im Feld "Peltier module" befindet sich ein weiteres Feld beschriftet mit "LEDs". Dieses ist mit einem Pfeil mit "Voltage-Controlled Current Source" verbunden. Als letztes Feld ist das Feld "Photoacoustic Detector dargestellt". Es ist einem Pfeil mit "Peltier module" und "LEDs" verbunden. Auf der anderen Seite ist es mit dem ersten Textfeld "Low-Noise Amplification" verbunden. © Gabriel Rodriguez Gutierez et al.

Die mikrosystemtechnische Fertigung erlaubt eine hohe Integrationsdichte, reproduzierbare Sensoreigenschaften und einen energieeffizienten Betrieb bei gleichzeitig reduzierten Herstellungskosten. Damit schafft die Sensorikforschung die Voraussetzung für standardisierte, vormontierte Sensormodule, die direkt in die Anlagensteuerung eingebunden werden können. Neben der reinen Datenerfassung umfasst der Beitrag der Professur auch die Entwicklung geeigneter Signalverarbeitung, Kalibrierstrategien und digitaler Schnittstellen zur sicheren Datenübertragung in cloudbasierte Überwachungssysteme.

Durch diese enge Verzahnung von Sensorentwicklung, Mikrosystemtechnik und digitaler Systemintegration wird eine zentrale Zustandsüberwachung vieler dezentral installierter Anlagen technisch und wirtschaftlich realisierbar. Die Skalierbarkeit der Sensormodule, ihre kosteneffiziente Serienfertigung sowie ihre robuste Auslegung für den Einsatz in landwirtschaftlicher Umgebung leisten somit einen entscheidenden Beitrag zur breiten Übertragbarkeit des KLAWIR-Konzepts auf eine große Zahl landwirtschaftlicher Betriebe.

Technologisch ergänzt das Projekt DEMETHA diesen Ansatz, denn hier steht insbesondere die in‑situ‑Prozessanalytik im Vordergrund: Neuartige eingebettete, kapazitive beziehungsweise impedanzspektroskopische Sensorsysteme ermöglichen eine orts- und zeitaufgelöste Analyse der Substratphasen im Fermenter selbst. Auf dieser Grundlage werden adaptive Regelstrategien entwickelt, etwa zur energieoptimierten Rührwerkssteuerung oder zur pH‑Wert‑abhängigen Prozessführung. Parallel dazu wird ein strukturiertes Datenmanagement nach FAIR‑Prinzipien implementiert, um die langfristige wissenschaftliche und betriebliche Nutzbarkeit der Prozessdaten sicherzustellen.

Dargestellt sind zwei Graphen übereinander mit gemeinsamer X-Achse. Diese ist beschriftet mit "Frequency / kHz" und skaliert von 10 bis 30. Der obere Graph zeigt die Kurven "100% H2 / 0% O2", "0% H2 / 100% O2", "1% H2 / 99% O2" und "99% H2 / 1% O2". Die Y-Achse ist beschriftet mit "Noise amplitude / dB" und skaliert von -50 bis 10.. Der untere Graph zeigt die Kurven "Fit 100% H2 / 0% O2", "Fit 99% H2 / 1% O2", "Fit 1% H2 / 99% O2" und "Fit 0% H2 / 100% O2". Die Y-Achse ist beschriftet mit "Noise amplitude / dB" und skaliert von -50 bis 10. © Emanuel Wallesch et al.

Beide Projekte verbindet die Entwicklung von selektiven, empfindlichen sensorischen Mikrosystemen, wobei die Möglichkeit einer mikrosystemtechnischen Fertigung die Skalierbarkeit der Ergebnisse sicherstellt. Dies erlaubt eine hohe Integrationsdichte, Miniaturisierung und Energieeffizienz bei gleichzeitig reproduzierbarer Qualität. Zugleich schafft sie die Voraussetzung für eine kostengünstige, standardisierte Massenproduktion der Sensormodule. Damit wird die flächendeckende Ausstattung dezentraler Kleinanlagen mit leistungsfähiger Prozesssensorik wirtschaftlich realisierbar.

Dargetellt ist ein Graph mit vier Kurven. Die Y-Achse ist beschriftet mit "electrical power (MW)" und ist skaliert von 0 bis 80000. Die X-Achse ist mit Daten von Tagen beschriftet und vom 09.06.2025 bis zum 16.06.2025 skaliert. Die Kurven zeigen die Größen "non-renewable", "biomass", "renewable" und "load". © Daniel Sieg et al.

Übergeordnet adressiert die Professur hier analytische Fragestellung von komplexen Fluidsystemen und wie durch mikrosystemtechnisch gefertigte, hochintegrierte und datenbasierte Sensorsysteme robuste, automatisierte und wirtschaftliche Biogasprozesse geschaffen werden können. Durch die Kombination aus intelligenter Prozessüberwachung, adaptiver Regelung und digitaler Vernetzung leisten KLAWIR und DEMETHA einen Beitrag zur quantifizierbaren Reduktion von Treibhausgasemissionen, zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Stärkung einer dezentralen, nachhaltigen Energieversorgung im landwirtschaftlichen Kontext.

Links der Bundesadler dann ein vertikaler Streifen in Schwarz Rot Gold. Rechts daneben "Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft" © BMEL
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FNR Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. © FNR

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